Wüste, Spielsucht und Demut am Grand Canyon
US Westcoast Travel

Wüste, Spielsucht und Demut am Grand Canyon

Es ist Zeit die Stadt der Engel zu verlassen. Über den berühmten 101 machen wir einen frühmorgendlichen Abstecher ins Stadtzentrum, nur um eines der legendären Gemälde von Colette Miller zu besuchen. Danach geht es über diverse Interstates raus aus der Stadt dem Sonnenaufgang entgegen.

In Barstow liegt Peggy Sue’s Diner, ein Café, dass in den 50/60er hängen geblieben ist. Wie früher servieren hier die Damen in bunten Uniformen und Hütchen typisch amerikanisches Frühstück. Der obligatorische Elvis in der Ecke, sowie viele Bilder von Prominenten runden das Bild ab. Doch eigentlich verweilt man hier, weil das Essen gut ist. Die Milchshakes sind legendär!

Kurz nach dem Diner führt ein Highway ins Death Valley. Die Stichstrasse führt nah Norden und von dort geht die Schleife nach Badwater links ab. Dieser Punkt kennzeichnet den tiefsten Punkt Nordamerikas – 85,5m unter dem Meeresspiegel. Früher war dort ein See, heute ist es eine trockene Salzlake in unerträglicher Hitze. Das Thermometer steigt auf deutlich über 40 Grad und macht jede Bewegung zur Qual. Die Klimaanlage leistet stoisch und zum Glück zuverlässig ihren Dienst. Und trotz der Hitze stoppen wir beim Golden Trail und laufen wenige Schritte in die Schlucht hinein. Jedoch eben nur wenige Meter, die Hitze ist einfach überwältigend. Wenig später folgt zabriskie Point, ein herrlicher Ausblick am HWY190 über Gesteinsformationen und dem Tal. Ab hier geht es mehr oder weniger bergauf – bis auf 1220m. Letztlich erreichen wir vom Südwesten kommend das Spielerparadies Las Vegas.

Die Stadt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Der Umschwung weg vom Bling Bling Redneck Paradies inkl billiger all-you-can-eat-buffets und Achterbahnen hin zu einem eleganten, gehobenem Ausflugsort inkl mentaler Ablenkung durch Glücksspiel. Das sieht man sehr deutlich an der Architektur vom Wynn oder Aria Hotel. Themenbauten wie Treasure Island oder Venetian gehören dem alten Eisen an. Glitzer und LED Lichter leider auch. Dieses Las Vegas hat für Nicht-Spieler oder Nicht-Clubber keinen Reiz mehr. Wer erstklassig feiern, essen oder übernachten möchte und tagsüber in gekühlten fensterlosen Gängen Boutiquen aufsuchen ist hier richtig. Alles andere wird vermutlich in 5 Jahren nicht mehr da sein.

In unmittelbarer Umgebung stechen zwei Attraktionen heraus. Zum Einen der Lake Mead mit dem Hoover Dam – bekannt aus vielen Filmen. Wer allerdings ohne entsprechende Ausrüstung an den See fährt, verbrennt sprichwörtlich in der Sonne. Der Strand bietet Null Schatten, keine Restaurants, sondern nur Toiletten die man aber nur im absoluten Notfall aufsuchen sollte. Der Parkzugang kostet dann auch noch $20. am Damm werden nochmal $10 für Parken fällig, was wir vermeiden indem wir rüber nach Arizona fahren und dort gratis parken. Der Weg runter zum Damm zu Fuß ist jedoch aufgrund der Hitze keine Option. Die andere Alternative ist das Valley of Fire am I-15. in diesem Park findet man komprimiert Arches, Bryce und Zion Canyon. Leider handelt es sich um einen Park von Nevada, der somit nicht Teil des America The Beautiful Park Pass für $80 ist.

Abends in Vegas kann man spielen, feiern oder eben eine Show besuchen. La Reve (der Traum) im edlen Wynn Hotel ist unsere Wahl. Akrobatik in, auf und über einer Wasserbühne beschreibt es ganz gut. Beeindruckend wie die Akrobaten trotz Nässe zu solchen Kunststücken in der Lage sind. Wunderbare Unterhaltung!

Wir lassen die High Society hinter uns und begeben uns auf die Spurensuche in die Vergangenheit. Ab Kingman, AZ verlaufen I-40 und die Route 66 nebeneinander her. All die kleinen Siedlungen – Städte oder Dörfer kann man die Ansammlung von Devotionalienläden und schäbige Motels nicht nennen – wie Seligman oder Williams leben von der Geschichte der ersten Ost-West Verbindung und die damit verbundenen automobilen Träume und zweirädrigen Mythen.

Über den US65 fahren wir nun wirklich in die Vergangenheit. Über Millionen von Jahren hat Erosion und der Colorado den Gramd Canyon ins Gestein gefräst. Diese Schlucht ist gigantisch und beeindruckend. Letztlich verspürt man an der Kante dieses tolle Gefühl der völligen und totalen Unbedeutsamkeit! Die Schlucht gab es tausende von Jahren vor den Menschen und wird es auch tausende Jahre nach unserer Ausrottung geben. Dieses Gefühl beruhigt ungemein, vor allem im Jahr 2019.

Während 90% aller Touristen die südliche Klippe besuchen, fahren wir zum Ostausgang wieder aus dem Park um über die Navajo Brücke den Colorado zu überqueren und zur Nordkante zu gelangen.

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