Asia Uzbekistan Snowboarding

Usbekistan: Endlich Sternenhimmel

Schon nachts, als ich die Toilette aufsuchte, konnte ich die Sterne sehen. Im Mittelstrahl habe ich s die ganze Zeit über gewusst: Wir fliegen noch mal.
Alle waren pünktlich früh beim Essen und blickten mit fast feuchten Augen hinaus in den blauen Himmel und die aufgehende Sonne. Heute wird ein geiler Tag, heute wird unser Abschlusstag. Das Frühstück schmeckte besser als je zuvor und auf dem Sprung zurück ins Zimmer zum Umziehen erwischte uns noch Timoa. „Die Piloten fliegen nicht“, war eine Aussage, die wir irgendwie selbst nach dreifacher Wiederholung in englisch nicht verstanden. In meinem Kopf brachte ich das Wetter draussen nicht mit den Informationen meines Gehörs in Einklang.
Die entgeisterten Gesichter meiner Reisegruppe liessen mich erschauern. Alle Sinnesinformationen stimmten, nur die Logik irgendwie nicht.
Die Erklärung war einfach – für usbekische Verhältnisse. Da die Piloten aufgrund der Wettervorhersage von gestern dem Präsidenten zum Flug abgeraten hatten, durften sie heute auch nicht fliegen, um Ihr Gesicht zu wahren. Zudem wurde plötzlich das Wetter in Tashkent als Grundlage für Flugverbot oder -erlaubnis herangezogen. Als Folge probten wir eine Revolution, nur 13 Jahre nach der Unabhängigkeit, war das Land wohl nicht bereit für uns. Dem Hauen folgte ein Stechen, dann Kratzen und Wimmern und um 10:30 Uhr sollte ein endgültige Entscheidung plötzlich doch noch Hoffnung geben.
Alle standen in voller Montur an der Rezeption, als plötzlich das Kommando kam „Ab Marsch zum Heli !“. Tja, so schnell waren wir wohl noch nie beim Fluggerät. Die 1.5 Stunden von heute morgen waren unwiederbringlich verloren, doch immerhin durften wir bis 13:00 Uhr fliegen – ab dann bewegte sich nämlich der Staatslenker vom Palast zur Datscha. Geplant waren 2 Abfahrten in Chimgan. Durch unsere Motivation wurden letztlich vier daraus. Wir verzichteten dann sogar auf den komfortablen Heimflug und warteten auf den Armeelaster als Taxi.
Einzig der letzte „run“ hätte nicht unbedingt die gewählte Route sein müssen. Zum Einen kippte das Wetter und es kamen Wolken, Wind und Schneefall auf, zum Anderen sind wir an einem zugefrorenen Wasserfall abgefahren. Also nicht unbedingt ein Untergrund, worauf Schnee super Halt findet.
Es ist alles gut gegangen. An der Liftstation des Skigebietes kehrten wir ein auf eine Tasse Tee und anschliessend ging es flux ins Hotel zum Packen. Zu unserer Überraschung gab s denn auch noch ein Mittagessen und einen Reisebus statt Lastwagen als Transportmittel nach Tashkent.
Bein Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Hotel. Schon die Suche nach der passenden Seitenstrasse liess uns das Schlimmste befürchten, da wir an allen namenhaften internationalen Hotelketten vorbei und in eine ungeteerte Seitenstrasse fuhren. Wir hoppelten bis zur Eingangstür in einem schlecht beleuchteten Viertel, wo sich um die Ecke Menschen an offenem Feuer auf der Strasse die Finger wärmten.
Die Rezeption und die Zimmer waren zwar dann nicht so schlimm wie es von aussen aussah, jedoch muffelte es seltsam. Die Einladung zu einem leckeren Essen im Restaurant des Hotels konnte das Bild nicht unbedingt geraderücken.
Anschliessend erhielten wir dann noch eine kleine Stadtführung vom Chef der Agentur und landeten schlussendlich in einer Bar. Der dortige hohe Frauenanteil war innerhalb von Minuten durchschaut, als die nämlich spärlich bekleidet wahre Kunststücke an der Eisenstange aufführten. Im Programm war auch noch ein Mann, der sehr seltsame Dinge mit Nadeln und einer Bohrmaschine machte. Aber das ist genauso wenig etwas für hier, wie die Erlebnisse einiger Hartgesottenen, die es länger in der Bar aushielten.