Europe Germany Weekend

Deutsche Alpenstrasse

Früh aufstehen (07:00) um gut zu frühstücken. Für heute steht eine fast 4 stündige Wanderung auf einen nahen Gipfel an.

Vom Schwaighof (Rottach) über den Riederstein (1207m) auf den Gipfel des Baumgartenschneid (1444m). Schon der Parkplatz ist verdächtig schräg und die ersten hunderte Meter gehen steil bergauf. Die Hinweisschilder (Warnung, keine Schlittenbahn !) sagen eigentlich, dass das hier oberaffengeil sein muss im Winter. (Gedankliches Memo).

Das Erreichen der Gaststätte Galaun ist nicht die Siegerehrung mit Nationalhymne und Champagnerdusc
he, sondern lediglich der Meilenstein für „Jetzt sind Sie warm“.
Von hier aus führen unzählige Stufen vorbei an vierzehn Kreuzwegstationen hinauf zu der kleinen Kapelle durch Buchenwald. Es sei bereits hier vermerkt, dass die Stufen noch einen Tag später im Hintern deutlich spürbar sind, so oben auf dem Knackpopo, also an ganz ungewöhnlicher Stelle. Am Grat angekommen, der nun rechter Hand zum Gipfel führt, liegt die Kapelle aus dem Jahre 1863 linker Hand auf einem steilen Hügel hinter altem Wald verborgen. Noch steilere Stufen als zuvor führen dem ersten Gipfel entgegen.
Auf dem Höhenrücken entlang durch alten Bergwald  fällt der Hang links sehr steil ab ins Alpbachtal. Als der Wald lichter wird, hören wir leises Geläut. Das Glockenspiel wird mit jedem Schritt lauter, bis wir in einem Steilhang ein Dutzend Kühe zwischen Bäumen in aller Seelenruhe Grass fressen sehen.

Vollkommen gelassen ob der Annäherung durch die Wanderer kauen Sie wider und stapfen am Hang entlang. In diesem Zusammenhang wird „Kühe umwerfen“ völlig neu definiert. Die Muh wird das wohl nicht überleben, vermutlich wäre eine norddeutsche Kuh mit diesem Hang auch überfordert. Auf jedem Fall ist dieser Augenblick auch ohne Ziegen ein echter Heidi-Moment und wunderschön deutsch. Pünktlich beim Erblicken der letzten Steigung zum Gipfel ziehen die ersten Wolken zusammen und versperren uns bis zum vollendeten Ausstieg die angebliche sagenhafte Aussicht auf Schlier- und Tegernsee. Stattdessen hocken wir im Nebel. Zeit für eine romantische Brotzeit in klammer Bergluft. Ohne Nebelrürckschlussleuchte beginnen wir mit dem Abstieg. An der Baumgartenalm angekommen ist der Blick zum Gipfel wieder frei und wir frustriert. Das unterhaltsame Gespräch mit den beiden Kuhhirten, die bei Brot und Bier  zünftig vor der Alm sassen, ist aber Entschädigung genug. Die 2 Stunden bis zum Parkplatz unterbrechen wir auf der Galaun Gaststätte für eine Süssspeise und kleine Rast. Im Sonnenschein und offenem Dach geht es wieder Richtung Minga.
Kurz und bündig: Deutschland ist wunderschön, wenn der Nebel nicht wäre.