Europe Germany Weekend

Die Deutsche Bahn im Winterchaos?

Zu Beginn der „Weihnachtswoche“ häuften sich die Meldungen von Feldbetten in Flughäfen, „Eismonstern auf Schienen“ uswusf. Das konnte am 23.12 ja heiter werden. Die erste Reaktion war eine Sitzplatzreservierung für den ICE 584 um 15:11 Uhr von München gen Norden.

Am Gleis angelangt verwunderten die Menschentrauben vor den 2. Klasse Waggons. Doch könnte es sich ja auch um Studiosus Reisegruppen handeln, die noch die Architektur im M Hbf bestaunen. Der Wagen 23 empfängt mit halber Füllung, also alle Panik umsonst. Mit Whopper, Pommes und Coke wird der Abfahrt entgegen gefiebert und staunend das hektische Treiben der „Studiosus“ Reisenden beobachtet. Die rennen von links nach rechts, mal mit, mal ohne Koffer und die Abfahrt verzögert sich ein wenig.
Plötzlich hektische Diskussionen im Zug. Der Klassiker – wie es scheint: „Sie sitzen auf meinem Platz“ „Nein, tue ich nicht“. Nach einigem Hin und Her war es keine Doppelbuchung, sondern eine List der Technik. Der Wagen 23 war wohl mal Wagen 32, wechselte zu 23 und nun wieder zurück auf 32. Jetzt haben die Menschen auf dem Bahnsteig auch Sinn, die mittlerweile alle im Gang stehen. So kurz vor Weihnachten, mit christlicher Vorfreude, einer vollgeladenen Sentimentalitätskanone und dem Nächstenliebefaß bis Oberkante Unterlippe kann das alles ja kein Problem sein. Wären da nicht die AmateurEinmalimJahrBahnfahrer, die zur Weihnachtszeit auch noch den Wohnzimmerschrank einpacken und sich jetzt im Waggoninnern begegnen. Herrlich. Mein Platz ist natürlich auch weg, doch der Sitzplatzberechtigte entpuppt sich als Profi. Gelassen hockt er sich auf den Platz gegenüber und gestattet mir mein Mahl. Währenddessen spielen sich Dramen ab und Schimpfworte und Flüche fliegen durch die eh schon mißbrauchte Luft. Ja, würdet Ihr Anfänger doch nächstes Jahr einfach alle mit dem Auto fahren und in einer Schneewehe bei „Driving home for Christmas“ mit den Zähnen im Takt klappern. Dann müßtet Ihr Euch nicht die Bahn „antun“ und ich hätte mehr Ruhe. Mit 25min Verspätung erreiche ich mein Ziel und blieb sogar auf meinem falschen Platz sitzen.
Demnach fehlt ein wenig das Verständnis für all die DB-Prügel. Für die Verhältnisse war das ne tolle Leistung.
Die Rückfahrt am 25.12. schien auch spannend zu werden. Anhaltende Kälte und eisige Zustände in Norddeutschland ließen Hoffnung aufkommen für ein kleines Bahnchaos. Dank modernster Astronautentechnik von der NASA konnte ich im Internet die 40min Verspätung lesen und so einfach länger zu Hause bleiben.
Statt den 17:56 Uhr Zug um 18:20 Uhr zu nehmen, sprang ich in den ICE von 16:56 Uhr. Am Ende Wurst, enden sie alle in München. Größtenteils entspannte Leute und ein Sitzplätzchen. Das Tempolimit ließ die Verspätung weiter anwachsen und die Durchsagen der gut gelaunten Zugführerin glichen das fast aus. In Nürnberg konnten einige dann umsteigen, da unsere Lok nicht mehr so richtig wollte und die Steigung in Ingolstadt nicht schaffen würde. 10min am Gleis und schon rollte mein Ursprungszug ein. Wieder ein Plätzchen, wieder entspannte Leute und mit einer für mich persönlichen Verspätung von 20min in München – die vierzig Minuten in Fulda konnte ich ja nutzen.
Läuft doch! Alles halb so wild. Ich fand s toll und bin nächstes Jahr Weihnachten wieder am Start. Wenn alle Nörgler Ihre Drohung wahrmachen, kann ich dann auch die Füße hochlegen und schlafen. Schöner geht’s nicht.