Wells Gray Nationalpark
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Wells Gray Nationalpark

Nach einem ausgiebigen Frühstück folgen wir dem Hwy 99 weiter gen Norden. Es ist noch sehr früh am Morgen, 6:30 Uhr, und die nahe des Rastplatzes gelegene Hat Creek Ranch ist noch geschlossen. Hier verlassen wir auch die 99er und biegen links auf den Hwy97 ab. Wenn möglich soll man tanken, habe ich irgendwo gelesen. Folglich bekommt der Camper in Clinton eine Ladung Diesel.
Im General store in 70 Mile House ist eine gute Gelegenheit für Einkäufe. Zu unserer Überraschung verkaufen sie dort ofenfrische, knusprige Croissants; ganz unüblich für Nordamerika auch ohne jegliche Füllung.
Obendrein gibt es gratis Wlan. Nach weiteren 34 km biegen wir rechts auf den Hwy 24 ab und begeben uns auf die mecklenburgvorpommerische Seenplatte. Eben nur in Kanada. Hier reiht sich ein See an den anderen. Laut Reiseführer ein Ausflugsziel vieler Kanadier zum Fischen mit Wochenendhäusern. Die Landschaft ist relativ flach und tatsächlich gibt es alle paar Kilometer eine Abfahrt zu einem See links und rechts der Route. Einige davon kann man auch direkt von der Strasse aus sehen. Trotzdem nicht wirklich meine Vorstellung von einem Wochenendausflug.
In Clearwater nehmen wir die falsche Abfahrt zum Wells Gray, unserem Tagesziel. Die Beschilderung ist leicht verwirrend; als Orientierung dient der Kreisel, denn erst dort gibt es die Abbiegung zum Park. Der kleine Ausflug wird zum erneuten Tanken genutzt, bevor wir uns schnurgeradeaus nördlich in den Park bewegen. Die drei sehenswerten Wasserfälle Spahat, Dawson und Helmcken säumen die Hauptstrasse und einer ist imposanter als der andere.

Direkt an der Zufahrt zum Helmcken Wasserfall endet auch die asphaltierte Strasse und unser Tagesziel Clearwater Lake kann nur über eine gut befahrbare 20km lange Lehm/ Schotterpiste erreicht werden.

Am Ende gibt es zwei einfache Campingplätze direkt am See. Für CAN$16 pro Nacht mieten wir uns einen Standplatz und laufen direkt zum See. Dort liegt ein kleines Cafe mit Sonnenterasse, das regelmäßig von Kolibris besucht wird.Das Abendessen wird zubereitet und der Plan ist Essen am Lagerfeuer. Das entpuppt sich als hartnäckig unentzündbar. Nachdem die leckeren Pasta verschlungen ist, versuchen wir es zu zweit und nach gefühlten 60 Minuten fackelt ein Flämmchen, endlich. Das Feuer wärmt und vertreibt die Mücken, obwohl die vermutlich in unserer Nähe sowieso eher eine Rauchvergiftung bekommen – wer weiß, vielleicht hilft es sogar morgen noch ganz ohne Mückenspray. Mit einem Buch vorm Feuer und der Beschallung der Außenlautsprecher unseres Glampers (Glamour Camper) klingt der Tag aus.

Am nächsten Tag sparen wir uns die Oma Bootstour für CAN$150 pro Person zum Azur See. Gleichzeitig wird es wohl aber auch keine ganztägige Kanutour. Dafür sind wir wohl zu ungeübt.
Letztlich paddelt es sich dann doch ganz leicht über den Clearwater See bis hin zum ersten Rastplatz am Westufer. Die zweite Station liegt mehr als doppelt soweit und erscheint uns ein wenig zu mutig. Bei Sandwiches, Coke zero und einem ausgiebigen Sonnenbad läßt sich der Ausblick geniessen. Zum Dank bläst der Wind auch auf dem Rückweg von vorne. Die Kalorien wollen ja auch verbrannt werden. Apropos Kalorien, die kleine Wanderung auf den Gipfel zum Osprey  Aussichtspunkt, gepaart mit der Wanderung zu einem Lavageröllhügel namens Drachenzunge soll nicht unerwähnt bleiben. Ersteres bietet einen wunderschönen Ausblick auf das Tal des Clearwater mit den unendlich scheinenden bewaldeten Hügeln bis zum Horizont links und rechts.
Die Ausfahrt zieht sich ein wenig in die Länge (60km) und wir tanken erneut auf. Hier sei erwähnt dass wir einen Mercedes Diesel Camper fahren und nicht ein einziges Mal mehr als die Hälfte des Tanks verbraucht haben. Mit ca. 15l ist der Wagen ziemlich genügsam, bei dem Gewicht und dem cw Wert einer Schrankwand. Das Plätzchen für die Nacht ist der Campingplatz in Blue River, der irgendwie an Australien erinnert. Es gibt nur je 1 Dusche pro Geschlecht, dafür sind die Betreiber ziemlich nett und unterhaltsam.